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Wie eine gute Bekannte werde ich herzlich von der Ludwigsburger Autorin Angelika Tiefenbacher in ihrem mit wilden Wein bewachsenem Haus mit grünen Läden begrüßt. „Das ist das Häuschen meiner Oma!“, lächelt sie. „Mit ein wenig Akrobatik kann man aus einem Fenster sogar das Schloss erblicken.“ So habe ich mir ein „Künstlerdomizil“ immer vorgestellt.

Den köstlichen Café bekomme ich, wie selbstverständlich, am Familienesstisch serviert. Wir kommen ins Plaudern, sind schnell beim DU und sprechen über Kinder, Ludwigsburg und das Kochen und natürlich über Bücher. Nicht nur ein oder zwei Bücher, veröffentlichte sie bisher, sondern stolze 15: Von der Trotzphase, Gedächtnistraining, Allgemeinbildung und den neun Weltwundern über Paracord für Kinder bis hin zu ihrer neuesten Veröffentlichung „Meine Konfirmation-Eintragealbum: Die tollsten Erinnerungen an einen großartigen Tag“.

Die Bandbreite, die sie in ihren Büchern behandelt, ist gigantisch. Bescheiden zeigt mir die sympathische Autorin ein paar ihrer Bücher. Tief beeindruckt trinke ich meinen Kaffee und blättere ein wenig ehrfürchtig in ihren Werken. Am liebsten würde ich gleich drauf los lesen, doch nun nutze ich die Zeit und stelle Angelika ein paar Fragen.

1. Welches deiner Bücher ist dein Lieblingsbuch?
Das ist eindeutig mein Roman, „Die Musik des Mondes“. Da steckt am meisten Herzblut drin. Aber ich mag auch die Bastelbücher über Loomies, Paracords und Drucktechniken, weil wir dafür unseren Sohn und seine Freunde fotografiert haben und das ist eine schöne Erinnerung.

2. Woher bekommst du deine Inspirationen?
Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Die Natur hilft mir bei der Inspiration genauso wie eigene Erlebnisse. Auch Meditationen sind nützlich, wenn ich Ideen suche. Ich versuche, spirituell zu leben, die Natur zu schätzen, die Jahreszeiten zu würdigen. Sommer- und Wintersonnenwende feiern wir immer mit einem Feuer und mit Wunschsäckchen. Das ist ein schönes Ritual.

3. Wo schreibst du?
Ich habe in meinem Zimmer eine Schreibecke mit einem Fenster zum Garten. Wenn ich hinausschaue, sehe ich die große Zeder, die vor unserem Haus steht. Meine Schreibecke ist ein Ort, der mir viel Kraft gibt. Im Sommer schreibe ich auch manchmal im Garten unter unserem Nussbaum.

4. Wer ist dein schärfster Kritiker?
Das ist eindeutig mein Mann Dirk, der jeden Satz lesen muss, bevor er gedruckt wird. Er hat eine andere Herangehensweise als ich und wir ergänzen uns gut. Auch mein Sohn, der 14-jährige Nils, gibt mir zunehmend Tipps und sagt ganz offen, wenn ihm etwas nicht gefällt.

5. Du bist eine wahre Power- Frau: Job, Familie, Haus und nebenbei hast so viele Bücher geschrieben? Woher nimmst du deine Motivation und worin findest du deinen Ausgleich?
Ich würde mich nicht als Power-Frau bezeichnen. Ich sehe leider auch immer viele Dinge, die ich nicht bewältigen kann. Wenn man ein Haus und einen Garten hat, ist man nie „fertig“. Falls man es doch mal ist, kann man dann wieder von vorne anfangen, weil es wieder im Haus etwas zu renovieren oder im Garten Unkraut gibt. Es ist eine Frage der Prioritäten. Mir ist es zum Beispiel wichtiger, dass unser Sohn sich an lustige Spiele-Abende erinnert als an ein so sauberes Haus, dass man vom Boden essen kann. Die größte Motivation für mich zu schreiben ist die Aussicht auf das fertige Buch. Es gibt für eine Autorin nichts Schöneres als den Karton mit den frisch gedruckten Autorenbüchern zu öffnen. Das ist für mich immer wie Weihnachten. Ausgleich finde ich in allen Tätigkeiten, die ganz anders sind als das Schreiben und die Kopfarbeit. Ich schalte ab, wenn ich mit meinem Sohn spiele oder mit unseren Katzen kuschle. Es macht mir auch viel Freude, die Schätze, die uns die Natur schenkt, zu verarbeiten. Ich koche und backe sehr gerne. Außerdem liebe ich Handarbeiten wie Nähen oder Stricken. Ein wunderbarer Ausgleich zum Schreiben ist für mich Yoga, das ich zwei- bis dreimal pro Woche praktiziere. Das tut dem Körper gut und macht den Geist frei. Außerdem lese ich sehr viel und das inspiriert mich auch oft zu neuen Ideen.

6. Wo kann ich deine Bücher kaufen?
Meine Bücher gibt es bei allen Buchhändlern im Kreis Ludwigsburg. Ich weiß nicht, ob sie immer vorrätig sind, aber die Buchhändler können die Bücher schnell bestellen.

Zwei Stunden verfliegen. Das war hoffentlich nicht mein letzter Café mit der kreativen und liebenswerten Autorin. Jetzt freue ich mich erst einmal darauf, ein Buch von der Ludwigsburgerin zu lesen. Besonders gespannt bin ich auf ihren ersten Roman „Musik des Mondes“.