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Unser Alltag wäre nur schwer zu bewältigen – sagen manche – wenn es viele Ludwigsburger Erfindungen nicht gäbe.

Tatsächlich sind so einige Produkte, die wir heute kennen und selbstverständlich benutzen, in Ludwigsburg oder von Ludwigsburgern erfunden worden. In lockerer Abfolge stellen wir sie Ihnen vor.

Entscheiden Sie selbst, wie gut Sie ohne diese durch den Tag kommen würden. Heute:

Das Aspirin

Felix Hoffmann stellte 1897 einen Wirkstoff gegen Fieber her, den die Firma Bayer vertrieb und als Aspirin berühmt machte.

Hoffmann wurde in Ludwigsburg geboren und machte eine Ausbildung zum Apotheker. Doch das war ihm noch nicht genug. Nachdem er erste Berufserfahrung in verschiedenen Apotheken gesammelt hatte, beschloss er, zu studieren, weil die Pharmazie ihn so sehr faszinierte. An der Ludwig-Maximilians-Universität München machte er 1890 sein Staatsexamen in Pharmazie. Einen Doktor setzte er ebenfalls noch obendrauf. Sein Doktorvater Prof. Bamberger war sehr zufrieden mit ihm und empfahl ihn weiter:

„Herr Dr. Hoffmann hat mehrere Semester im Münchener Universitätslaboratorium unter meiner Leitung gearbeitet und sich dabei als sehr fleißiger, manuell äußerst geschickter, gut beobachtender und kenntnisreicher Chemiker bewährt. Ich kann ihn daher warm empfehlen.“

Hoffmann fing 1894 im chemisch-wissenschaftlichen Labor der „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“ an zu arbeiten. Ein spannendes Detail: Die Legende besagt, dass sein Vater zu der Zeit Salicylsäure genommen hat, um verschiedene Beschwerden zu lindern. Sie war als Naturheilmittel schon lange bekannt und wurde aus Eichenrinde gewonnen. Nur leider war sie schlecht verträglich. Die vielen Nebenwirkungen wie Brechreiz machten dem Vater zu schaffen und griffen seine Magensäure an.

Der Sohn suchte nach Abhilfe.

Könnte man die Salicylsäure nicht verträglicher machen?

Im Forschungsbereich des Bayer-Werkes Eberfeld saß er genau an der richtigen Stelle, um das herauszufinden. Denn hier wurde an neuen Medikamenten geforscht.

Am 10. August 1897 gelang ihm zusammen mit Kollegen erstmals die Synthese von Nebenprodukt-armer Acetylsalicylsäure aus Salicylsäure und Acetanhydrid. Er hatte Acetylsalicylsäure (ASS) in chemisch reiner und stabiler Form entwickelt. Also einen Wirkstoff, der gleichzeitig schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend und auch noch gut verträglich war. Wow! Das hatte vor im noch keiner geschafft.

Bei der Prüfung des neuen Mittels waren die Experten erst skeptisch. Kein Wunder. Es klang einfach zu gut. Doch bald erkannten auch sie die bahnbrechende Erfindung des Medikaments, dass später eines der erfolgreichsten der Geschichte werden sollte.

Weltweit begehrt

Unter dem Markennamen Aspirin wurde die Substanz angemeldet, im großen Stil hergestellt und zunächst als Pulver, später als Tablette weltweit vermarktet.

Heute ist das von Hoffmann entwickelte Aspirin die Mutter aller Schmerzmittel. Trotz zahlreicher Nachahmungen bleibt das Original immer noch für viele Menschen die erste Wahl bei Kopf- und Gliederschmerzen.

Und was wurde aus dem Erfinder?

Schon kurze Zeit nach seiner Entdeckung übernahm Hoffmann 1899 die Leitung der kaufmännisch-pharmazeutischen Abteilung bei Bayer.

Hoffmann ging 1928 in den Ruhestand. Zu dieser Zeit war sein Medikament bereits ein weltweiter Erfolg. Bis zu seinem Tod 1946 lebte er zurückgezogen in der Schweiz.

So, und jetzt wette ich – sollte dein Kopf das nächste Mal schmerzen – wirst du an Ludwigsburg denken.