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Unser Alltag wäre nur schwer zu bewältigen – sagen manche – wenn es viele Ludwigsburger Erfindungen nicht gäbe.

Tatsächlich sind so einige Produkte, die wir heute kennen und selbstverständlich benutzen, in Ludwigsburg oder von Ludwigsburgern erfunden worden. In lockerer Abfolge stellen wir sie Ihnen vor.

Entscheiden Sie selbst, wie gut Sie ohne diese durch den Tag kommen würden. Heute:

Das Streichholz

Sie zünden sich abends gern Kerzen an?

Sie machen im Winter Feuer im Kaminofen?

Sie wollen Gerüche auf der Toilette neutralisieren?

Dann wären Sie in der Tat ohne Streichhölzer aufgeschmissen. Zumindest früher. Heute sind Streichhölzer zwar immer noch oft in Gebrauch. Doch sie sind eher etwas für den Liebhaber des ursprünglichen Feuermachens. Für Menschen, die neumodisch Feuerzeuge ablehnen. Ich gehöre ich dazu, denn statt am Rädchen zu drehen und – schwupp – brennt die Flamme, bietet das Feuerzeug doch einiges mehr an Spannung:

Das feste Entlangstreichen an der Reibefläche. Das leise „zisch“, wenn die Flamme sich entzündet. Das Auffackeln des Feuers, das nur wenige Sekunden brennt, bevor es erlischt. Die knappe Zeit, die einem bleibt, um das Feuer weiterzureichen. Das hat schon etwas. Fragen Sie mal ein Kind, was es spannender findet. Die Antwort wird immer das Streichholz sein.

Man glaubt es kaum, doch auch das Streich- oder Zündholz zählt zu den Ludwigsburger Erfindungen. Denn der Ludwigsburger Jakob Friedrich Kammerer entwickelte 1832 dieses kleine Stäbchen zum Feuer anzünden und stellte es erstmals fabrikmäßig her.

Im 19. Jahrhundert war Feuer machen noch aufwendig

Damals war es eine mühselige Angelegenheit, ein Feuer zu entfachen. Meistens nutzte man Stahl, Feuerstein und Zunder dafür. Kammerer war ein Tüftler und hatte schon einige seiner Erfindungen patentieren lassen. Nun hatte er eine neue Idee: Eine Zündmaschine – das wäre etwas! Das ließe sich gut verkaufen. Lange probierte er im Schuppen hinter seinem Haus herum. Dabei verärgerte er wohl seine Nachbarn, die sich über “das Gezündel und die Explosionen” sehr aufregten.

Er versuchte, Schwefel zusammen mit Phosphor in einem Zündkopf zu verleimen. Das war schwierig, da Phosphor leicht entzündlich war. Eine gute Eigenschaft für seinen Zweck, aber eben auch schwer zu verarbeiten. Als Sauerstoffspender fügte er noch Kaliumchlorat hinzu. Schließlich gelang ihm nach vielen Fehlversuchen doch endlich der Bau eines Phosphorstreichholzes.

Nicht der Erste

Ehrlicherweise muss man erwähnen, dass andere vor ihm auch schon einmal so weit waren. In China gab es bereits um 930 mit Schwefel getränkte Kiefernhölzchen. Einen Vorläufer des Phosphorholzes erfand außerdem bereits 1828 der englische Apotheker John Walker. Doch: Jakob Friedrich Kammerer kann immerhin für sich verbuchen, die ersten industriell hergestellten Hölzer erfunden zu haben.

Nun aber weiter in der Geschichte: Als im Dachstuhl seines Hauses in der Kirchstraße ein Brand ausbrach, errichtete er einen neuen Betrieb am Asperger Tor. Hier wurden die Steichhölzer nun fabrikmäßig hergestellt. Nach kurzer Zeit beschäftigte er bereits 24 Mitarbeiter, die täglich 600 Zündholzkistchen herstellten.

Fluch in die Schweiz

Doch Kammerer beschäftigte sich auch mit einem weiteren gefährlichen Zündstoff: der Politik.

Wegen versuchten Hochverrats wurden er 1838 zu zweijähriger Festungshaft in Hohenasperg verurteilt. Doch er flüchtete und gelangte schließlich nach Riesbach bei Zürich in der Schweiz. Dort setzte er seinen Plan fort, baute eine Zündholzfabrik und begründetet somit die Schweizer Zündholzindustrie. Seine Hölzer verkaufte er nach ganz Europa.

In seinen späten Jahren zog es ihn zurück in die Heimat nach Ludwigburg, wo er 1857 verstarb.

Doch seine Erfindung – das Streichholz – wird immer mit Ludwigsburg verbunden bleiben!