Seite auswählen

Warum der Ludwigsburger Wochenmarkt ein besonderes Erlebnis ist

Der Samstagvormittag ist bei und geblockt.

Es geht auf den Ludwigsburger Wochenmarkt. Wenn wir uns gegen 9 Uhr auf den Weg machen, strömen schon von allen Seiten Menschen mit Einkaufskörben, Trollis (wir haben auch einen und stehen dazu), oder Fahrradanhängern Richtung Marktplatz.

Die Orientierung fällt leicht: Praktischerweise sind alle Stände immer am selben Platz. Die Plätze sind wohl schon jahrelang vergeben und Neuling müssen lange warten, um nachzurücken. Ich habe das nur einmal erlebt als der sehr alte, halbblinde Bauer mit krummem Rücken, der unermüdlich Berge von Kartoffeln auf seine Waage schichtete – nach sage und schreibe 70 Jahren Wochenmarkt – beschloss, nun in Ruhestand zu gehen.

 

Pastinaken oder Wirsing?

Die größte Auswahl hat man wohl beim Obst und Gemüse. Der Markt bietet hier locker acht Gemüsestände, auf dessen Tischen sich meterweise Karotten, Lauch, Salate und Äpfel stapeln. Hier sind wir neulich untreu geworden. Jahrelang vom Gemüsebauer unseres Vertrauens gut versorgt, haben wir nun auf Bio umgeschwenkt. Den Ausschlag für den Wechsel gab eine Verkäuferin selbst, die sich strikt weigerte, unser Obst und Gemüse in mitgebrachte Beutel zu packen.

Beim Biostand ist das nichts besonderes und die Frühlingszwiebeln landen wie selbstverständlich zusammen mit dem Fenchel, den Auberginen und der Gurke im Jutebeutel. Was wir nicht gedacht hätten: Wir zahlen kaum mehr als vorher. Und als Geschenk gibt’s immer noch einen Apfel für die Kleine auf die Hand. Finden wir gut!

Anders zu geht es bei den zwei Obst- und Gemüsegroßhändlern am Platz. Hier werden ganze LKW-Ladungen an Kisten angekarrt, die alle möglichst laut und schnell an den Mann und die Frau gebracht werden sollen. Besonders, wenn man spät kommt, kann man hier nach dem Motto „je mehr – desto günstiger“ große Mengen Erdbeeren, Trauben oder Orangen abstauben. Als Frau gibt’s einen Flirt und bessere Angebote dazu.

 

Eingelegtes: Lieber eingetütet oder eingeboxt?

Beim Stand für Eingelegtes fange ich an zu räumen. Hier kommen die vielen mitgebrachten Tupperboxen zum Einsatz: eine für Oliven, die nächste für Peperoni und die dritte für Kapern oder was mich sonst gerade anmacht. Die Verkäufer kennen das. Sie deckeln mir routiniert meine Boxen zu, damit das Öl auf dem Heimweg nicht raussuppelt. Ich mache das, um Plastikmüll zu vermeiden und finde es sehr praktisch, später einfach die Boxen in den Kühlschrank zu stellen und mich bei Hunger zu bedienen, statt mühsam Knoten in Plastiktütchen aufzuknibbeln und mich mit herauslaufendem Öl zu bekleckern.

An diesem Stand für mich ein Rätsel: Vom französischen Feta geht immer doppelt so viel weg wie vom griechischen. Sollte der wirklich so viel besser sein? Oder verbinden die Leute mit Frankreich einfach eher Feinkost und gutes Essen und denken daher nur, er sei leckerer?

 

 

Hallo Ludwigsburg, da bin ich!

Andere Menschen gehen zum Wochenmarkt, um sich vor dem Eiscafé Baci in der Sonne zu räkeln. Beim ersten Espresso des Tages werden dann die Neuigkeiten der letzten Woche ausgetauscht. Viele Paare sitzen hier so schick zurecht gemacht, dass ich mich frage, wann die morgens aufstehen, um so auszusehen.

Das Eiscafé ist deshalb so beliebt, weil es morgens schon Sonne hat. Auf dem geschützten Marktplatz wärmt es sich schnell auf, sodass man schon im Februar hier morgens gut draußen sitzen kann. Konkurrenz kam neulich nebenan mit „Lange am Markt“ hinzu. Seit die Tagesbar 2017 eröffnete und schicke, mintgrüne Bänke rausstellte, auf denen sich wunderbar das Marktgeschehen beobachten lässt, hat auch das Baci aufgestockt und bietet jetzt ebenfalls Premium-Bänke in der ersten Reihe an. Lange am Markt ist übrigens das einzige Lokal, welches ich kenne, das ohne Telefonanschluss auskommt. Begründung des Inhabers: Wir wollen, dass die Menschen vorbeikommen, wenn sie reservieren wollen. Wow!

 

Livemusik für lau

Meistens sind wir um 10 Uhr noch da und hören die ersten Töne des Chors oder der BigBand, die sind am Brunnen postiert und das wuselige Durcheinander für eine Weile unterbricht. Viele Menschen bleiben stehen und lauschen gern den hellen Stimmen des Umsonstkonzerts, die über den Marktplatz erschallen. Mein Mann war neulich von einem Chor so begeistert, dass er nun überlegt, ihm beizutreten.

Wenn gerade kein Konzert stattfindet, bietet der Brunnen in der Mitte einen guten Ruhepol, um sich zu setzen und das Treiben um einen herum zu beobachten. Von der schicken Seniorin im Kostüm, über den Öko mit Outdoorjacke und bunter Mütze, bis hin zum mit Baby-Tragetuch beschnürten Papa mit Hund an der Leine trifft man hier alle. Fast immer kann man sich hier auch mit hausgebackenem Kuchen für den Nachmittag versorgen. Denn irgendeine Kita verkauft bestimmt wieder Kuchen und Kaffee für einen guten Zweck am Brunnen.

 

Fehlt noch was?

Lieber festkochend oder mehlig kochend? Eine Auswahl an Kartoffeln aus der Umgebung gibt es an mehreren Ständen. Bei Hofmetzger Hack (sehr passender Name!) könnte man sich noch eine Pferdewurst mitnehmen. Bei der kleinen, französischen Boulangerie mittendrin ließen sich ein paar sündhaft teure Macarons mit Pistazien- oder Zitronengeschmack naschen. Oder man kauft beim Stand von Martino’s vor der evangelischen Kirche ein. Die italienisch-ludwigsburger Familie, die eine Plantage in Süditalien betreibt, fährt die unglaublich saftigen Orangen und Clementinen von dort direkt im LKW nach Ludwigsburg. Die muss man probiert haben!

Unbedingt testen sollte man auch den außergewöhnlichen Bäckerstand, der sich vor „Wok on Fire“ postiert hat und der vom schwäbischen Zwiebelkuchen, über Käsebrötchen (ohne die geht für meinen Mann gar nichts), bis hin zum Dinkelhefezopf sehr leckere Backwaren anbietet. Gerade morgens muss man sich hier auf lange Warteschlangen gefasst machen.

 

Wie auch Sie zum Wochenmarktliebhaber werden:

Ich glaube, es braucht seine Zeit, bis man seine Stammstände auf dem Wochenmarkt gefunden hat. Es lohnt sich, mehrere auszutesten, bis man wirklich zufrieden ist. Schließlich muss nicht nur das Essen schmecken, sondern auch das Verhältnis zu den Verkäufern stimmen. Doch dann ist es wirklich schön, direkt freudig begrüßt und gefragt zu werden, wie der Apfelsaft denn letztes Mal geschmeckt habe. Ob man mit dem Heidelbeeren zufrieden war. Und ob man wieder einen Strauß Blumen mitnehmen mag.

Probieren Sie es doch selbst aus! Immer dienstags und donnerstags von 7-13 und samstags von 7-14 Uhr auf dem Marktplatz.

 

Übrigens: Danken für den Markttrubel dürfen wir Herzog Eberhard Ludwig selbst, der im Jahr 1715, also vor über 300 Jahren, die Einrichtung eines Wochenmarktes im barocken Herzen der Stadt anordnete. Gute Entscheidung!

Online Redakteur gesucht

Blogger/Online-Redakteur (m/w) in freier Mitarbeit für mein-L.de gesucht!

Deine Hauptaufgabe ist es, Lust auf die Ludwigsburger Innenstadt zu machen. Mit spannenden Reportagen, interessanten Interviews, praktischen Tipps, verrückten Videos – und was auch immer dir sonst noch so einfällt.

Mehr Infos? Hier klicken!

You have Successfully Subscribed!