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Da! Schon wieder einer. Und da! Wenn man sich einmal darauf konzentriert, entdeckt man sie überall: an Pfeilern, Pfosten, Laternenpfählen, Haltestellenhäuschen und Verteilerkästen. Der eine ist für “Bunch of Kunst”, der andere “MQRT” oder “Ottencrew”. Was soll das denn heißen? Ich schaue im Internet nach.

   

Das meiste ist Werbung. Allerdings vor allem für Jugendliche. MAQRT ist ein Shop für Bekleidung, die Ottencrew ein Stuttgarter Party- und Design-Kollektiv und der Bunch of Kunst wirbt für den gleichnamigen Musik-Dokumentationsfilm über die britische Mod-Szene.

Und dann finde ich noch echten Underground:

Foolsworld ist das Projekt eines jungen Stuttgarter Künstlers, der u.a. Shirts und Bilder herstellt. Vielleicht ein Autodidakt? Auf seiner Crowdfunding-Seite gibt er an, er sei noch Schüler.

Werbung also. Darum wundert es mich nicht, dass auch Dinge beworben werden, die sogar ich kenne: die Theo Lorch Werkstätten oder das Spiel des Jahres, zum Beispiel.

 

Spaß macht mir vor allem die Werbung vor allem für Musik.

Ich freue mich über die Reggae Boys (schon wieder Stuttgarter! Was ist los mit der Kreativ-Szene LB?), die gleich Anschluss an die Living Sisters (Damen-Folk-Band) gefunden haben. Nett.

 

Mittendrin stoße ich auf den 300 Minuten Weg. Kopfrechnen. Oha, wer geht denn fünf Stunden spazieren? Beachtlich. Allerdings: Dies ist sozusagen eine Sticker-Ausnahme. Denn er funktioniert wie eine Schnitzeljagd: einfach den nächsten Sticker suchen und so immer weiter durch die Stadt wandern. Auf diese Weise lassen sich das Ludwigsburger Stadtgebiete und seine Geschichte erwandern, erfahre ich. Eine Tour, die zum Stadtjubiläum vom Schwäbischen Albverein entwickelt wurde.

 

Ein paar Meter weiter wirds religiös. Und obwohl ich weiß, dass Symbole wie die Pyramide mit Sekten wie Scientology in Verbindung gebracht werden, und ich gegen jeden Fanatismus bin, muss ich doch zustimmen: „Hass ist krass – Liebe ist krasser“ und hab tendenziell nichts gegens Erkennen, Erwachen oder Verändern. Auch wenn es mir auf der entsprechenden Website ganz anders wird.

Aber hier kann ich mir ja die Eigenschaften der Sticker zunutze machen: Was heimlich geklebt wurde, kann auch einfach abgeknibbelt werden.

    

Und natürlich: Auch Politisches und Kontroverses wird gern geklebt: Immer schön in Augenhöhe.

 

 

   

Das Schweinehochhaus finde ich im Internet, angeblich eine tierquälerische Zuchtstätte. Da wär ich auch dagegen. Kann aber nicht herausfinden, ob es das wirklich gibt. Für mehr Wohnraum oder Geschlechter sowie gegen Nazis wäre ich durchaus auch zu haben. Das wars dann aber schon.

Auch für die Sticker der Fußball-Fanclubs und Ultras hab ich nicht viel übrig. Die geben sich kämpferisch, martialisch:

       

Und ich muss manchmal denken:

Witzig mit dem gefährlichen Image spielt eine ganz friedliche Bewegung: die Radfahr-Guerilla. Ich freue mich, dass in der Stickerwelt der Spaß noch seinen Platz hat. Und muss zum Schluss an ein richtiges Kunstwerk denken, das zwar nicht als Sticker, aber als Leuchtreklame – eben auch als Werbung im öffentlichen Raum – daherkommt.